Dreizehn

Räuber
Dämonen
gute Feen
Tore
Rituale
Zauberstäbe
Nächte
Gefährten
Edelsteine
Sterne
Kammern
Namen
Lieder

oder

Wassertropfen
Fragen
Stühle
Wörter für Schnee
Verweigerungen
Versuche
Finger
Runden
Gänge
Stockwerke
Fehlschläge
Stiefel
Buchstaben

Lyrikkranz aufs Camp

Kurz nach Halbzeit des diesjährigen Dschungelreigens — hier ein komplementärer Dichtungsreigen, den ich zunächst einer geheimen Facebookgruppe vorstellte.

Wie die Wollersheim in die Welt kam

Am 14. März 2014
Kam der Teufel nach Wollersheim.
Er trank eine Kaffee bei Tschibo
Und kaufte bei Lidl ein.

„Ich will dich“, sprach satt der Höllenfürst,
„Belohnen, du treffliche Stadt!
Du Rurkleinod, das nicht nur was gegen Dürst,
Sondern auch Discountpreise hat.“

„Hinfort sollst du kein bloßer Stadtteil
Von Nideggen in Westfalen sein.
Du sollst eine geile Buhle
Und meine Statthalterin sein.“

„Die alte Kirche sei die linke,
Die neue die rechte Brust.
Ihr 637 Einwohner
637 Arten der Lust.“

„So freist du einen König
Und schenkst mir einen Sohn.
Der aber soll dich schwängern
Und Antichrist werden. Den Rest sehn wir schon.“

Die Wollersheimer lehnten
Nach kurzer Bedenkzeit ab,
Weil man als Antichrist zurzeit
So schlechte Berufsaussichten hat.

Der Teufel nahm dann aus Berlin
Sophia Hildebrand,
Die in des Bagcis Menderes
Ein Schwängerungsopfer fand.

Neun Monate nach IBES dann
Entsprang das Kind dem Schoß.
Es hieß Hans Christian Friederich
Und entwickelte sich famos.

Der Teufel trank Kaffee in Wollersheim
Und seufzte liederlich.
„Was hätten wir zwei noch anfangen könn‘
Du Städtchen, du und ich!“

nathalie, 19

endlich anbieten
materialhaftes seufzen
initiationsriten

muschi rasieren
haare kämmen
mädchen heisst frieren
und essigschwämme

sie kennt ihn nicht
er war ein guter mann
ohne licht

nachtwache dann
sagt er was sie nicht
ihre weiße haut so klamm

legat
es ahnte dich einer und schrieb
ein ersoffener bierkutscher wurde auf den tisch gestemmt
schwälende tage alte beschwörung bann

du ahnst nichts du
schwimmst mit krokodilen
wettest mit kindern
verlangst ihnen alles ab
und dir
versagen heißt einen krieg verlieren
vorm vater geschissen
vor brigitte nielsen geweint

du bist der taube geist der tage
eine späte blume am wegesrand

ricky

was
ist das für eine welt in der
du
drin bleibst und rolf zachers
körper ihn verrät du
bis wie rolf zachers körper
ricky und falsch
wie sophias brüste aber ohne das rettende
ihres süßen bauchspecks, lauf doch in deinen scheiß
siebzigmeter höhe immer weiter
und weiter
rund um die
welt
ein sehr kleiner
sehr lauter
scheißtrabant
der alle dankbarer für den
erdbeerduftenden mond
und
die reizdarmlindernde sonne
macht auf
menderes gesicht:
eine madonna
ricky
eine madonna…

höllenfürstin

scheut vor dem fünften hindernis
in der box bleckt ein gedopter hengst das gebiss
die metzger mit fleischplatten und brustbeuteln sprühen gift
ruhe im saal!
die pferdeauktion
wird fortgesetzt

Menderes.

Legat will, dass du dein Leben änderest.
Tu das nicht.
Sei dir wichtig.
Als Dschungelkönig
wird nicht automatisch alles schönerig.
Doch als nur du
bist du größer als du.
Du bist Menderes.
Bis es endetest
bist du auch dabei.

Dschungelcamp 2016: Der erste Eindruck

Gestern Abend begann das neue Dschungelcamp, und so sehr ich mich auch über die deutliche, um im sich schon abzeichnenden Jargon der neuen Riege zu bleiben, amtliche, ja disziplinierte Qualitätssteigerung gegenüber der letzten Lieferung gefreut habe, blieb doch ein ungutes Gefühl zurück, es könne die Sache diesmal wieder, freilich ganz anders als im letzten Jahr, schief gehen.

Erinnern wir uns – lieber nicht allzu deutlich; in aller Kürze: die Kandidaten gebärdeten sich im Frühjahr 2015 auch also solche, ein grobes Missverständnis der Veranstaltung, das der Rest der Welt sofort hämisch geißelte: wir sind doch hier nicht in einer Fensehshow! Die diesjährige Komposition von Menschenmaterial hat´s auf Anhieb besser begriffen, oder vielmehr: inkorporiert. Sie alle zeigen so derart deutlich einen spezifischen Typus des Irregewordenseins an der verbleichenden bürgerlichen Gesellschaft, dass klar ist: die wissen nicht, dass sie an der verbleichenden bürgerlichen Gesellschaft irre geworden sind, die sind einfach so, die finden das normal, und das ist ja auch gut so. Schließlich würde die Inszenierung sonst zu einem öden Ironie-Ringelpiez verkommen, der weit hinten in Australien, wo am Verzehr von Kamelköpfen vor laufender Kamera als eigentlich problematisch empfunden wird, dass man ja leider Veganerin ist, bzw. „keinem Tier weh tun kann“, sich selbst und anderen Menschen jederzeit, gerne, aber einem Kamel oder einer Wasserspinne, einer Assel gar … der dort also noch krachender an die Wand führe als in jedem aufgeblasenen Dokumentartheater in der Hauptstadt. Wer als prekäre Existent mit dem Finger auf andere zeigt oder böhmermannesk im Türkendeutsch radebrecht, wie doof die anderen sind, die sich nur Aldi leisten können, der ist eben nur einer von denen, und ein besonders trauriges Exemplar noch dazu.

In der Class of 2016 ist an derlei Schmalspurkunstanstrengug glücklicherweise nicht zu denken (es wäre ja die Kunst, die wir alle verdient haben). Hier trifft nun mit Thorsten Legat der fleischgewordene Wille zum Malochen in der Welt, die Maloche gar nicht mehr braucht, auf den ewigen Praktikanten Menderes, der sich greinend für alle die „tollen Chancen“ bedankt, sich demütigen zu lassen, dessen Dackelblick aber verrät, wie tief er empfindet, dass er nicht einmal mehr das Maikäferpumpen und das Tattoostubenbesitzerhafte des Unterligacheffchens noch zur Verfügung hat, noch die homoerotisch durchglühte Sidekickmasche des Mallorcaeintänzers. Wir erleben die drei Frauentypen, die öffentlich noch zulässig sind: die, die mit Macht dahin will, wo die Männer hingestellt sind, und deshalb als bedrohlich, als „Kampflesbe“ auch und gerade von anderen Frauen empfunden wird, die, die operativ all das erfüllt, was Männer wie auf dem Zeitschriftentitel „wollen“ und darob sagt: „An mir ist nichts echt“, und die, die als hochdisziplinierte, körperlich ausgewiesene und blendende Erscheinung auf den Sockel will, wo ihr keiner mehr was kann. Drumherum irrlichtern alt gewordene Abgeschriebene, die entweder ins kindlich-anale regredieren und zwanghaft in alle Ecken pissen (Gabriel), oder einen Traum von Dandy vererbt bekommen haben, der nur um den Preis der körperlichen und geistigen Gesundheit als Ganzkörpercharaktermaske aufzuziehen ist (Zacher).

So unterhaltsam und gruselig das auch ist, es fehlt – bisher- die weitere Drehung der Schraube, die die Zentralgestirne der legendären vorletzten Staffel beherrschten, die Busengeneralin und Larissa nämlich. Nur auf den ersten Blick waren auch sie Vertreterinnen der ballonbrüstig um Zugehörigkeit zur Männerwelt heischenden Wichs- und Angstgespenster bzw. der zur Unnahbarkeit strebenden Streberinnen-Elfen. Sie konnten, ebenso wie einige fein besetzte Nebenrollen, Glatzeder etwa, etwas, was für das vollkommene Glücken des Formats unabdingbar ist, nämlich das gleichzeitige Einnehmen zwei Quantenzustände: das absolut Ernstnehmen und zugleich vollkommen Übersteigern der eigenen Rolle. Sie glaubten ganz und gar zu sein, was sie waren, und waren es gerade darum nicht – ganz. Larissa und die Generalin schnitzten sich aus dem Rollenangebot ihrer fruchtbaren Welt etwas eigenes, ohne jemals eigen oder gar Ich zu sein, ein postmodernes Kunststück so schrecklich und schön wie das dumme Wort „Postmoderne“.

Dies wird – anscheinend – diese Jahr fehlen; stattdessen meinen die das alle bitter ernst, wie sie es eben in der schrecklichen Welt gelernt haben. Da wird es ordentlich krachen, aber das Krachen wird eben so dumm und boshaft sein, wie alles andere auch. Mir zumindest wird da oft das Lachen im Halse stecken bleiben. Meine Prognose: 2014 war Laibach, 2016 wird Rammstein.

AB4: Ferner, mein Gott, von dir

Ein Stamm Büffelmenschen wendet sich von seinem Gott ab,weil der das Gras in der endlosen Steppe nicht mehr wachsen lässt. In einer Stampede ziehen sie gen Süden in die riesigen Dschungel, um sich dort einem neuen Gott zu unterwerfen. Es gilt, die Herde zu beschützen, umzulenken, die durchstreiften Länder so gut wie möglich zu schützen und religiöse Streitigkeiten unter den Büffelleuten zu schlichten bzw. Eingriffe falscher Gottheiten und Dämonen unterwegs abzuwenden.

AB3: Der Totembaum der Riesen

Ein Stamm Riesen hängt am höchsten Baum des Waldes (und der ragt wirklich bis in die Wolken) Schmuck auf. Darunter sind

-- Allerlei gefundene und eingesammelte Monster (manche für Freilassung zur Verhandlung bereit, andere stinksauer und angriffslustig)
-- Schmarotzer, die von den Behängen zehren (eine Vampirsekte)
-- Schätze (verflucht, spätestens von den Riesen, gegen Diebstahl)
-- Anhänger eines Kultes, die sich den Riesen freiwillig als Schmuck zur Verfügung stellen (und dabei vielleicht echte Einblicke in andere Welten erhalten)
-- Kleine Wandelsterne aus der niedrigsten Sphäre und ihre Bewohner
-- magische Musikinstrumente
-- exotische Nahrungsmittel
-- kilometerlange Ranken als Lametta (gfitig und hochintelligent)
-- Maschinen aus grauer Vorzeit, die so schön glitzern
-- das Gesicht des Baumes, verteilt auf verschiedene Höhenstufen (Mund, Nase, Augen, Ohren — Eingänge nach drinnen, wo es mit den Wurzeln unter die Erde geht)